HANDYVIDEO-KURS

HANDYVIDEO-KURS

Ich kann hier nichts sagen, was die Videos besser erklären würde als die Videos selbst.

GET TO THE POINT

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Jeder hat schon mal erlebt, wie es ist, mit einer Person zu reden, die nicht auf den Punkt kommt oder nur redet, um zu reden.

Kurzes Beispiel: Jemand will dir von einem tollen Restaurant erzählen, wo er die beste Pizza seines Lebens gegessen hast. Du hörst weiter zu, weil Pizza cool ist und Du wissen willst, wo es die beste Pizza des Lebens gibt. Aber anstatt dir zu sagen, wo die Pizzeria ist, welche Zutaten verwendet wurden und was das Besondere an der Pizza war, pausiert er, hört auf zu erzählen und überlegt, ob es vor zwei Monaten oder doch vor drei Monaten war, als er da war. Beispiel Ende.

Der Punkt, um den es mir hier geht ist Kommunikation. 
Das Ziel ist es, klarzumachen, wo das Restaurant ist und wie es heißt. Der Punkt, der aber (unbewusst) wichtiger wird als das, ist der Zeitpunkt des Besuchs. Der Zeitpunkt des Besuchs ist aber nichtmal zweitrangig für die Story. Das Pausieren unseres Pizzafans, um über den Zeitpunkt seines Besuchs nachzudenken, weckt den Verdacht, dass das Folgende wichtig ist. Er nimmt sich Zeit. Er fordert dadurch Aufmerksamkeit ein. Er steigert die Spannung. Im Grunde ein gutes rhetorisches Mittel, aber, da es unbewusst eingesetzt wird, weicht er damit von seinem „Warum?“ ab. 

Genauso ist es auch bei Filmen. Wer sein Ziel nicht kennt, kommunziert irgendwas, ohne Absicht. Der Zuschauer ist verwirrt, weil er (unabsichtlich) auf einen falschen Weg geführt wird. 
Für Film/Video heißt das, dass man sich der Bildsprache und Filmsprache bewusst sein sollte, um absichtlich zu kommunizieren. Auf das Beispiel übertragen, wäre es so, als würde man eine Halbtotale der Unterhaltung plötzlich durch eine Nahaufnahme des Erzählers unterbrechen und ihn zeigen, wie er überlegt. Eine Nahaufnahme ist ein rhetorisches Mittel, um auf die Wichtigkeit eines Sachverhalts hinzudeuten. Wenn man sich dessen nicht bewusst ist, kommuniziert man irgendwas, ohne Absicht. Der Zuschauer ist verwirrt, weil er (unabsichtlich) auf einen falschen Weg geführt wird. 

Es gibt keine Möglichkeit, nicht zu kommunizieren. Wir kommunizieren immer – durch Betonung, durch Körperhaltung, durch Gestik, (durch Licht, durch Einstellungsgrößen u.ä.) ... mal unbewusst, mal bewusst. Bewusste Kommunikation ist cooler! Bewusste Kommunikation bedeutet, zu wissen, wo man hinwill und die Mittel zu kennen, die dorthin führen.

Jede Entscheidung beim Filmen sollte die Frage nach dem „Warum?“ beantworten können und somit zum Ziel führen.

KNOW YOUR WHY!

VISUELLE GESTALTUNGSMITTEL IM FILM


Um eine Sprache in eine andere zu übersetzen, bedarf es eines Wortschatzes, einer Grammatik und Sprachgefühl. Wenn es also darum geht, Geschichten visuell zu erzählen – und mit visuell meine ich: in Filmen – , sind diese Bereiche genauso wichtig. Ein wichtiger Unterpunkt in der Erstellung – sowohl von Text als auch von Film – sind Gestaltungsmittel.  

Egal ob Kamera, Licht, Schnitt, Musik, Sound, etc. – all diese Werkzeuge können genutzt werden, um aus einer einfachen Geschichte eine Geschichte zu machen, die den Zuschauer fesselt, beeindruckt und Emotionen weckt. All diese Werkzeuge helfen dabei, dass sie passend erzählt wird.

Beispiel: Einstellungsgrößen
Nehmen wir als Beispiel eine bekannte Gestaltungsregel: die Hitchcock-Regel.
Sinngemäß lautet sie so: Die Einstellungsgröße ist proportional zur Wichtigkeit des Gezeigten.
Ist es also wichtig zu sehen,
wie eine Figur fühlt, dann wählt man eine Großaufnahme des Gesichts. 
Ist die Beziehung zweier Personen zueinander wichtig, wählt man eine Halbtotale.
Spielt die Umgebung eine besondere Rolle, ist eine Totale wahrscheinlich die richtige Wahl.

Szene aus Mission: Impossible von Brian De Palma (1996)
Ethan Hunt findet heraus, dass all seine Teammitglieder getötet wurden und im Laufe des Gesprächs wird klar, dass es sich bei dem Einsatz um einen Versuch handelte, einen Verräter aufzuspüren. Hunt wird verdächtigt, dieser Verräter zu sein.   Mission: Impossible: Close-Ups

Die Kamera ist die meiste Zeit sehr nah an den Gesichtern, um die Emotionen und Reaktionen der Figuren gut darzustellen. Der gegensätzliche, gekippte Kamerawinkel (Dutch Angle) unterstreicht die gegenseitigen … sagen wir mal: Ansichten … der beiden Figuren. Boom! Super erzählt!

Beispiel: Licht
Als Beispiel fällt mir der neue Star Wars Film THE FORCE AWAKENS von J.J. Abrams ein. (ACHTUNG: Wer den Film noch nicht gesehen hat, überspringt diesen Absatz besser!) 
Han Solo und Kylo Ren reden auf einer Brücke darüber, wie zerissen Kylo ist. Er weiß nicht, ob er dem Ruf der hellen Macht nachgeben soll. Im Hintergrund sieht man die strahlende Sonne, aus der gerade der Starkiller gespeist wird. Han bietet Kylo an, ihm bei seiner Entscheidung zu helfen. Bevor Kylo sich bedankt und Han ersticht, sieht man aber, wie das strahlende Licht der Sonne verschwindet. Das Licht (die helle Seite der Macht) erlischt und Kylos Gesicht wird infolgedessen dunkel. Nur das rote Schimmern seines Lichtschwerts ist zu sehen. Die dunkle Seite hat gewonnen und Kylo tötet Han. Boom! Super erzählt!
Das Licht spielt hier also eine bedeutende Rolle und hilft, die Handlung und die Geschichte besser zu verstehen. Ohne diese Gestaltung wäre eine Szene wie diese niemals so stark und emotional.      

Beispiel: Schnitt
Mein Editing-Lehrer Jack Tucker, A.C.E. sagte, dass die drei wichtigsten Punkte für einen Schnitt Emotion, Story und Rhythmus sind.
Es ist also hilfreich zu wissen, welcher Schnitt den besten Effekt für Emotion und Story liefert. (Rhythmus beachten wir hier mal nicht.) 
Der Editor kann eine Einstellung ungewöhnlich lang stehen lassen, um beispielsweise Unbehagen zu erzeugen. Er kann viele schnelle Cuts machen, um Hektik und Unruhe zu verbreiten. Den Job des Editors habe ich bis zu meinem Studium nie als einen gesehen, der so viel Kontrolle über die Stimmung des Films hat. Er hat aber tatsächlich ähnlich viel Einfluss auf den Film wie der Regisseur.
Es geht nicht nur darum, Bilder aneinander zu hängen oder sie von einander zu trennen. Es geht darum, die Geschichte mit den vorhandenen Bildern passend zu erzählen. Der Editor kontrolliert also quasi die finale Version des Films. Er schreibt den Film in gewisser Weise neu.    

Beispiel: Kamerabewegung
Kamerabewegungen sehen super aus und verleihen einem Film oft einen großen Schauwert. Neben dem Aussehen verfolgen Kamerabewegungen aber meist einen tieferen Sinn.
(Ich weiß, einigen Leuten mag es komisch vorkommen, dass diese Worte von einem Michael-Bay-Fan kommen. Aber bei Herrn Bay ist das nicht so abwegig, wie man zuerst glauben mag - er setzt das Mittel nur anders ein, als man es gewohnt ist). 
Meist sind Kamerabewegungen motiviert, z.B. durch Bewegung im Bild, durch Gefühlszustände der Protagonisten oder durch Stimmung der Szene. So wäre es beispielsweise wenig hilfreich, Verfolgungsjagden mit stehender Kamera zu drehen, vorausgesetzt (!) man will die Spannung und Hektik einfangen. Eine Kamera, die auf eine Person zufährt, kann einen Prozess oder einen Gedankengang dieser Person unterstreichen. Eine Kamerabewegung von oben nach unten kann dabei helfen, in eine Szene „einzutauchen“. Eine Kamera, die von einer Person wegfährt, kann die Einsamkeit oder einfach nur das Verhältnis der Person zur seiner Umwelt hervorheben.

(Bsp: Captain Philipps von Paul Greengrass. In der finalen Szene vor dem Abspann sieht man zunächst das kleine Rettungsboot. Die Kamera fährt zurück, die Einstellung wird zu einer weiteren Totalen und man sieht die drei Schiffe der U.S.Navy.
Die Kamerabewegung macht die Relation der Schiffe und die Übermacht der Navy klar: Finale Szene) Boom! Super erzählt!

Kamerabewegungen zeigen einen „Perspektivenwechsel“ – nicht nur den der Kamera, sondern auch den inneren Wechsel des Helden, seiner Ansichten, seiner Ideen o.ä.. 

 

Weitere visuelle Gestaltungsmittel, die ich hier nur erwähnen möchte, sind natürlich Kostüm, Make-Up und Produktions-Design. Auch diese Abteilungen tragen viel zur Stimmung und Authentizität der Story bei und müssen zum Thema und der Geschichte passen.

Gestaltungsmittel sind dazu da, die Story stärker zu erzählen, sie auf verschiedenen Ebenen zu erzählen. Bewusst eingesetzt, verleihen sie dem Film einen starken visuellen Subtext. Nur wenn man die Regeln kennt, kann man sie bewusst brechen. :-)


 

WAS IST STORY?

Ich habe früher oft nach einer passenden Erklärung gesucht. Abschließend klären konnte ich die Frage damals aber nicht! Was ist Story? Vielleicht liegt es daran, dass in gewissen Punkten einfach subjektives Empfinden mitspielt. Also formuliere ich jetzt mal, wie ich das so sehe mit den Geschichten.

Die bisher beste Antwort findet sich übrigens bei den geschätzten Kollegen von Stillmotion (www.stillmotion.ca). Deren Ansatz ist zwar nicht bahnbrechend neu, aber schön formuliert und besagt, dass Story aus vier Teilen besteht:

Zweck, Handlung, Personen, Ort. 

Damit kommt man schon recht weit, wenn man das Thema erklären will. Es bedarf einer Absicht oder einen Grund, weshalb der Zuschauer sich das ansehen soll und will. Diese Absicht wird durch die Personen und den Ort verkörpert. Eine Handlung dient dazu, den Zuschauer zu führen – auf dieser Reise bzw. während der Entwicklung. 

Es ist aber nicht zwingend ein abendfüllender Spielfilm nötig, um Geschichten zu erzählen. Story braucht auch nicht unbedingt fünf Akte. In der ursprünglichsten Form ist Story eine Nacherzählung vergangener Ereignisse. Es ist sinnvoll einen Konflikt zu haben, den es zu überwinden gilt, wobei der Zuschauer mitfiebern kann. Ein Konflikt ist im einfachsten Fall eine Frage, die am Ende beantwortet wird. Dieser Konflikt oder die Frage kann noch so klein sein, aber sie baut Spannung auf und hilft im besten Fall auch, dass der Zuschauer mitfühlt.   

Abgesehen von der Erzählstruktur  (Anfang, Hauptteil, Schluss), sowie der Aufbau von Emotionen, gilt mein besonderes Interesse dem Erkennen, wie man Geschichten erzählt. 


“People don’t buy what you do, they buy why you do it”.
- Simon Sinek
 

Im Grunde ist das schon der Weg zum Storytelling. Es ist zunächst nicht so wichtig, worum es geht, sondern aus welchem Grund es darum geht. Die Frage, die eine Story erwachsen lässt heißt: Warum? Und dieselbe Frage gibt auch Antwort auf die Art, wie erzählt werden soll.

Sie gibt Auskunft über die Motivation und den Antrieb. Sie lässt den Zuschauer auch auf andere Ebenen blicken und liefert tieferes Verständnis für das große Ganze und ist daher besonders wichtig für die spätere Art und Weise des Erzählens. Denn kennt man den Grund für das Verhalten in einer Situation, erkennt man womöglich das Verhalten in anderen Situationen abschätzen. (Das ist besonders interessant für Kunden, die aus einer Geschichte, die ein Unternehmen erzählt, ein mögliches Verhalten des Unternehmens auf anderen Ebenen ableiten können.)

Kurz gesagt: Story ist Persönlichkeit. Oder Charakter. Oder Identität. Sie zieht sich durch alle Handlungen und Gedanken. Es lässt sich gut mit der Corporate Identity aus dem Designbereich vergleichen. Es ist die Einstellung und Überzeugung einer Person, einer Marke oder eines Unternehmens, die in jedem Bereich spürbar sein soll. Welche Prioritäten setzt diese Person? Wie reagiert sie auf Rückschläge oder Hindernisse? Wie geht sie mit anderen Menschen um? All das ist Story.

Und in den Antworten auf diese Fragen stecken auch die Punkte, die für eine gute Story wichtig sind: Emotionen und Konflikte. Zuerst wird der Charakter und seine Denkweise sowie seine Überzeugungen vorgestellt. Dann wird er mit Schwierigkeiten konfrontiert. Und dann wird gezeigt, wie er damit umgeht.
Daraus lässt sich Sympathie aufbauen und viele verschieden Facetten des Charakters bzw. eines Unternehmens, einer Person oder eines Produkts erkennen. 

Die Frage nach dem Warum liefert also den Weg zum Storytelling - also die Art und Weise des Erzählens. 
Und das Coole daran ist, dass es egal ist, welches Thema diese Story hat. Natürlich muss zuerst klar sein, worum es gehen soll (Absicht und Zweck). Aber egal ob es ein gefilmtes Interview oder ein Spielfilm ist: Wenn man die Identität kennt, lässt die Geschichte stärker und klarer erzählen.  

Starte mit dem Warum und viele Fragen für das Erzählen sind schon beantwortet.