Ich habe früher oft nach einer passenden Erklärung gesucht. Abschließend klären konnte ich die Frage damals aber nicht! Was ist Story? Vielleicht liegt es daran, dass in gewissen Punkten einfach subjektives Empfinden mitspielt. Also formuliere ich jetzt mal, wie ich das so sehe mit den Geschichten.

Die bisher beste Antwort findet sich übrigens bei den geschätzten Kollegen von Stillmotion (www.stillmotion.ca). Deren Ansatz ist zwar nicht bahnbrechend neu, aber schön formuliert und besagt, dass Story aus vier Teilen besteht:

Zweck, Handlung, Personen, Ort. 

Damit kommt man schon recht weit, wenn man das Thema erklären will. Es bedarf einer Absicht oder einen Grund, weshalb der Zuschauer sich das ansehen soll und will. Diese Absicht wird durch die Personen und den Ort verkörpert. Eine Handlung dient dazu, den Zuschauer zu führen – auf dieser Reise bzw. während der Entwicklung. 

Es ist aber nicht zwingend ein abendfüllender Spielfilm nötig, um Geschichten zu erzählen. Story braucht auch nicht unbedingt fünf Akte. In der ursprünglichsten Form ist Story eine Nacherzählung vergangener Ereignisse. Es ist sinnvoll einen Konflikt zu haben, den es zu überwinden gilt, wobei der Zuschauer mitfiebern kann. Ein Konflikt ist im einfachsten Fall eine Frage, die am Ende beantwortet wird. Dieser Konflikt oder die Frage kann noch so klein sein, aber sie baut Spannung auf und hilft im besten Fall auch, dass der Zuschauer mitfühlt.   

Abgesehen von der Erzählstruktur  (Anfang, Hauptteil, Schluss), sowie der Aufbau von Emotionen, gilt mein besonderes Interesse dem Erkennen, wie man Geschichten erzählt. 


“People don’t buy what you do, they buy why you do it”.
- Simon Sinek
 

Im Grunde ist das schon der Weg zum Storytelling. Es ist zunächst nicht so wichtig, worum es geht, sondern aus welchem Grund es darum geht. Die Frage, die eine Story erwachsen lässt heißt: Warum? Und dieselbe Frage gibt auch Antwort auf die Art, wie erzählt werden soll.

Sie gibt Auskunft über die Motivation und den Antrieb. Sie lässt den Zuschauer auch auf andere Ebenen blicken und liefert tieferes Verständnis für das große Ganze und ist daher besonders wichtig für die spätere Art und Weise des Erzählens. Denn kennt man den Grund für das Verhalten in einer Situation, erkennt man womöglich das Verhalten in anderen Situationen abschätzen. (Das ist besonders interessant für Kunden, die aus einer Geschichte, die ein Unternehmen erzählt, ein mögliches Verhalten des Unternehmens auf anderen Ebenen ableiten können.)

Kurz gesagt: Story ist Persönlichkeit. Oder Charakter. Oder Identität. Sie zieht sich durch alle Handlungen und Gedanken. Es lässt sich gut mit der Corporate Identity aus dem Designbereich vergleichen. Es ist die Einstellung und Überzeugung einer Person, einer Marke oder eines Unternehmens, die in jedem Bereich spürbar sein soll. Welche Prioritäten setzt diese Person? Wie reagiert sie auf Rückschläge oder Hindernisse? Wie geht sie mit anderen Menschen um? All das ist Story.

Und in den Antworten auf diese Fragen stecken auch die Punkte, die für eine gute Story wichtig sind: Emotionen und Konflikte. Zuerst wird der Charakter und seine Denkweise sowie seine Überzeugungen vorgestellt. Dann wird er mit Schwierigkeiten konfrontiert. Und dann wird gezeigt, wie er damit umgeht.
Daraus lässt sich Sympathie aufbauen und viele verschieden Facetten des Charakters bzw. eines Unternehmens, einer Person oder eines Produkts erkennen. 

Die Frage nach dem Warum liefert also den Weg zum Storytelling - also die Art und Weise des Erzählens. 
Und das Coole daran ist, dass es egal ist, welches Thema diese Story hat. Natürlich muss zuerst klar sein, worum es gehen soll (Absicht und Zweck). Aber egal ob es ein gefilmtes Interview oder ein Spielfilm ist: Wenn man die Identität kennt, lässt die Geschichte stärker und klarer erzählen.  

Starte mit dem Warum und viele Fragen für das Erzählen sind schon beantwortet.